Verabschiedung der zehnten Klassen

Zur Verabschiedung der zehnten Klassen veröffentlichte die Gelnhäuser Neue Zeitung am 26.06.2026 den folgenden Artikel. Im Anschluss folgt die Rede des Schulleiters Michael Neeb.

Rede des Schulleiters Michael Neeb:

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Eltern,
ich begrüße euch, Sie
recht herzlich zu unserer diesjährigen Abschlussfeier der Klassen 10a,10b,10c, 10d und 10e. Recht herzlich begrüße ich auch unsere Schulelternbeiratsvorsitzende Frau Jannah Meyer und unseren Fördervereinsvorsitzenden Herr Uwe Häuser.
Wir entlassen heute 136 Schülerinnen und Schüler.
Vor allem möchte ich mich bei den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern bedanken. Klassenlehrerin 10a Frau Annika Wecke, Klassenlehrerinnen 10b Frau Heike Zimmermann-Dooms, ( Saskia Weber und Laura Halbhuber) Klassenlehrerin 10c Frau Uta Mahnke, Klassenlehrerin 10d Frau Michaela Hedderich, Klassenlehrer 10e Frau Elena Altenhof.
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen anderen Kolleginnen und Kollegen bedanken, die mit ihrer Arbeit und vor allem mit viel Geduld ihren Beitrag dazu geleistet haben.
Heute erhalten insgesamt 132 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 ihren Realschulabschluss. Herzlichen Glückwunsch.
Wir haben 98 qualifizierende Realschulabschlüsse. Um diesen zu erhalten, müssen zwei Merkmale erfüllt sein: In den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch muss der Notendurchschnitt mindestens 3,0 sein. In den übrigen Fächern muss ebenfalls ein Notendurchschnitt von 3,0 erreicht werden.
Von den Absolventen treten 32 eine Ausbildung an.
82 gehen auf eine weiterführende Schule, was für manche von euch noch einmal zwei bzw. drei Jahre Schule bedeutet, 5 machen ein Freiwilliges Soziales Jahr und 13 sind sich noch unsicher, was sie nach der Schulzeit jetzt machen.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Absolventinnen und Absolventen,
vor 20 Jahren habe ich meine erste Abschlussrede als Schulleiter an der Haupt- und Realschule Birstein gehalten. Warum ich das erwähne? Vor 20 Jahren fand in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft statt – ein Fest der Emotionen, auch wenn wir nicht Weltmeister wurden wie 1954, 1974, 1990 oder später 2014.
Gerade 1974 ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Zum einen, weil ich als siebenjähriger Junge meine erste bewusst erlebte Weltmeisterschaft verfolgt habe, und zum anderen, weil ich noch genau weiß, wie sich die niederländischen Spieler und Fans über die 1:0-Führung im Finale freuten – auch wenn sie am Ende 1:2 verloren.
Genau das ist das Faszinierende am Fußball: Man freut sich in der 16. Minute über die Führung der eigenen Mannschaft – auch wenn am Ende ein anderes Ergebnis auf der Anzeigetafel steht.
Die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach hat lange vor dem modernen Fußball gesagt:
„Und ich habe mich so gefreut“, sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde.
„Du hast dich gefreut – ist das nichts?“
Dieser Gedanke zeigt: Auch der Moment der Freude zählt. Er geht nicht verloren, nur weil das Endergebnis ein anderes ist.
Auch das Lied von ABBA, „The Winner Takes It All“, vermittelt scheinbar eine klare Botschaft: Der Gewinner bekommt alles, der Verlierer geht leer aus. Doch das Leben ist nicht so einfach.
Im Sport wird das besonders deutlich: Am Ende einer Weltmeisterschaft gibt es nur einen Sieger. Aber sind deshalb alle anderen Verlierer? Nein.
Die besten Sportlerinnen und Sportler wissen: Niederlagen gehören zum Erfolg dazu. Wer nie verliert, lernt oft nicht, besser zu werden. Rückschläge fordern uns heraus, genauer hinzusehen: Was hätte ich anders machen können? Was habe ich gelernt? Wo liegen meine Stärken und Schwächen?
Es sind nicht die einfachen Tage, die uns prägen, sondern die schwierigen. Dort entstehen Charakter, Ausdauer und innere Stärke.
Vielleicht habt auch ihr solche Situationen erlebt: schlechte Noten, Konflikte, Zweifel oder die Frage: „Schaffe ich das überhaupt?“
Und doch sitzt ihr heute hier.
Das zeigt: Erfolg bedeutet nicht, niemals zu fallen. Erfolg bedeutet, immer wieder aufzustehen.
Ein weiterer Gedanke soll euch begleiten: Nicht jede Anpassung ist eine Tugend – manchmal ist auch Widerstand wichtig. Widerstand gegen Ungerechtigkeit, gegen Ausgrenzung und gegen Gruppenzwang, wenn ihr spürt, dass etwas falsch ist. „Widerstand ist eine Tugend“, sagte schon der damalige Schulleiter der „Kreisrealschule Gelnhausen“, Hans-Jürgen Eisenbarth, der unsere Schule 26 Jahre erfolgreich leitete und in letztes Jahr im Alter von 80 Jahren verstarb.
Eine demokratische Gesellschaft braucht Menschen, die mitdenken, hinterfragen und Haltung zeigen. Habt den Mut, eure Meinung zu vertreten – respektvoll, aber klar.
Und schließlich ein Sprichwort, das gut zu eurem weiteren Weg passt:
„Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ (oft Aristoteles zugeschrieben)
Ihr werdet nicht alles im Leben kontrollieren können. Es wird Gegenwind geben, Umwege, geschlossene Türen und unerwartete Wendungen.
Aber ihr entscheidet, wie ihr damit umgeht.
Ihr könnt eure Segel neu setzen.
Ihr könnt aus Rückschlägen lernen.
Ihr könnt neue Wege finden.
Ihr könnt weitermachen.
Und genau darin liegt eure Stärke.
Denn: Geboren und aufgewachsen in einem vereinten Deutschland steht das „D“ nicht nur für Demokratie, sondern auch für Durchsetzungsvermögen, Dynamik, Diskussionsfähigkeit – und für Dankbarkeit gegenüber dem Leben. Denn ihr habt die Möglichkeit, euer Leben selbst zu gestalten. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Liebe Schülerinnen, liebe Schüler,
heute seid ihr alle Gewinnerinnen und Gewinner – nicht, weil alles immer leicht war, sondern weil ihr Herausforderungen angenommen, Rückschläge überwunden und euren eigenen Weg gegangen seid.
Ihr verlasst heute die Schule mit eurem Abschluss – um im Bild zu bleiben: 1:0 für euch. Und ich bin sicher, dass ihr diese Führung im Leben weiter ausbauen werdet.
Dazu gratuliere ich euch herzlich. Ich wünsche euch Mut, Neugier, Durchhaltevermögen und die Gelassenheit, auch schwierige Zeiten als Chance zu sehen.
Herzlichen Glückwunsch zu eurem Abschluss und alles Gute für eure Zukunft.

Jahrgangsbeste:
10a Arthur Strieder 1,1
10b Peter Jonathan Imkemeier 1,0 Schulbester
10c Nina Leirich 1,0 Schulbeste
10d Erin Maraj 1,1
10e Liliana Mae Huber 1,6

Soziales Engagement
Schulsprecherin: Amelie Merth 10a
Schulsanitätsdienst: Nina Leirich und Xenia Klassen beide 10c

Technik-AG:
Gabriel Ilgen 
Jakob Häfner
Julius Mans
Vincent Silberhorn